An Sommertagen merkt man es sofort: Die Stadt heizt sich auf. Asphalt flimmert, Plätze werden gemieden, nachts kühlt es kaum ab. Wer dann den Weg in die Donauauen findet oder unter alten Bäumen am Glacis sitzt, spürt den Unterschied. Grün wirkt – ganz konkret, ganz unmittelbar.
Die Donauauen sind dabei weit mehr als ein schönes Ausflugsziel. Sie sind natürliche Klimaanlage, Hochwasserschutz, Lebensraum für Tiere und Pflanzen – und ein Ort, an dem Menschen durchatmen können. Ihr Schutz und ihre behutsame Renaturierung sind keine romantische Naturschutzidee, sondern knallharte Zukunftsvorsorge. Städte, die ihre Auenräume sichern und wieder vernetzen, sind widerstandsfähiger gegen Extremwetter und gewinnen an Lebensqualität.
Genau hier setzt der Gedanke eines Biotopverbunds an: Grünflächen, Parks, Flussräume und Randbereiche werden miteinander verbunden. Der zweite Grüngürtel um die Stadt, ergänzt durch grüne Achsen in den Quartieren, schafft Frischluftschneisen und Lebensräume – auch mitten im Wohngebiet. Artenvielfalt entsteht nicht nur am Stadtrand, sondern vor der Haustür.
Mindestens genauso wichtig sind die Bäume in der Stadt. Jeder ausgewachsene Baum kühlt seine Umgebung spürbar ab, filtert Schadstoffe und verbessert das Mikroklima. Wo neue Stadtteile entstehen oder Straßen umgebaut werden, entscheidet sich heute, wie lebenswert es morgen ist. Das Schwammstadtprinzip, bei dem Regenwasser gespeichert statt sofort abgeleitet wird, entlastet die Kanalisation und hilft Bäumen, Trockenzeiten zu überstehen.
Grün wächst aber nicht nur „von oben“. Urban Gardening, Gemeinschaftsgärten und kleine Nachbarschaftsprojekte bringen Menschen zusammen. Sie fördern Biodiversität, schaffen Begegnung und machen Stadtentwicklung greifbar. Wer selbst pflanzt identifiziert sich mit seinem Viertel.
All das ist auch ein Standortfaktor. Familien und Fachkräfte achten zunehmend darauf, wo sie gut leben können. Ärztinnen berichten von hitzebedingten Belastungen, Stadtgärtnerinnen von widerstandsfähigeren Grünflächen dort, wo klug geplant wurde. Eine Stadt, die Natur mitdenkt, ist gesünder, attraktiver und wirtschaftlich erfolgreicher.
Kurz gesagt: Grün tut gut – und ist eine Investition, die sich vielfach auszahlt. Für die Stadt, für die Menschen und für die Zukunft.
Zur Autorin:
Jutta Materna engagiert sich für Umweltbildung im Vorstand des Freundeskreis Piuspark Ingolstadt e.V., ist seit 2008 Mitglied im Bezirksausschuss Nordwest und arbeitet als freiberufliche Dozentin, Supervisorin und Mediatorin.