Ingolstadt BIOregional – nicht warten, jetzt anfangen!

30 Prozent Biolandwirtschaft bis 2030: Das ist – nicht zuletzt dank des Artenschutz-Volksbegehrens – jetzt Gesetz in Bayern. Bis 2025 sollen die landwirtschaftlichen Flächen in Bayern zu mindestens 20 Prozent ökologisch bewirtschaftet werden und bis 2030 zu mindestens 30 Prozent.

In Ingolstadt haben sich die Öko-Anbauflächen in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt. Mit 9,2 Prozent Öko-Anteil liegen wir allerdings noch etwas unter dem bayerischen Schnitt. Viele Betriebe stehen in den Startlöchern, sie wollen faire, saubere Produkte auf dem Feld und auf dem Teller. Die Bäuerinnen und Bauern erwarten und brauchen aber verlässliche Strukturen.

Es muss daher ein ganz klares politisches Bekenntnis zu BIOregional geben.

In einem Stadtratsantrag fordert die GRÜNEN-Fraktion nicht nur eine belastbare Strategie, sondern bereits erste Schritte für eine schnelle Umsetzung. Denn die Stadt kann gezielt etwas tun und damit auch noch die Wirtschaft vor Ort stärken. Insbesondere die Vermarktung der BIOregional-Produkte muss deutlich verbessert werden. Ein erster Schritt wäre z.B. schon, die verpachteten städtischen Flächen auf Ökolandbau umzustellen und die Betriebe dabei zu unterstützen.

Hier der Antrag im Wortlaut:

Ingolstadt, 6. August 2019

Ingolstadt BIOregional

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

30 Prozent Biolandwirtschaft bis 2030 – das ist dank dem Artenschutz-Volksbegehren jetzt Gesetz in Bayern. Die landwirtschaftlichen Flächen sollen bis 2025 zu mindestens 20 Prozent und bis 2030 zu mindestens 30 Prozent nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. In Ingolstadt sind diese ökologischen Flächen in den letzten 4 Jahren gewachsen, haben sich sogar mehr als verdoppelt. Das ist positiv und zeigt die Dynamik des nachhaltigen Ökomarktes auch in Ingolstadt. Mit 9,2 Prozent ökologischem Betriebsanteil ist der Weg zu 20 oder 30 Prozent allerdings längst kein Selbstläufer, wir liegen damit auch unter dem bayerischen Durchschnitt. Bäuerinnen und Bauern sind bundesweit und vor Ort zur Umstellung bereit, viele stehen in den Startlöchern, doch sie brauchen verlässliche Strukturen. Maßgeblich für den Erfolg von BIOregional ist daher auch eine klare politische Zusage der Stadt zu BIOregional.

Eine Machbarkeitsstudie¹ für Bayern zur Umsetzung des 30-Prozent-Zieles hat eindeutige Aussagen getroffen, was notwendig ist. Zum verlässlichen politischen Plazet muss kommen, dass sich in der Vermarktung von BIOregional-Produkten etwas verbessert. Vor Ort müssen wir vor allem die Wertschöpfungsketten und Absatzwege stärken sowie die Information zu BIOregional verbessern. Klar ist auch: Wenn wir bis 2025 die geforderte Verdoppelung unserer Biolandwirtschaft erreichen wollen, müssen wir offensiv, klar und ohne Zuwarten handeln!

In der neuen Nachhaltigkeitsarbeitsgruppe spielt dieser Aspekt bisher noch keine Rolle, es gibt dazu keine Strategie oder Struktur. Um die Vorgaben des Gesetzes ohne Verzögerung aufzugreifen und schnell zur Umsetzung zu kommen, stellen wir folgenden 

Antrag

  • Die Verwaltung wird beauftragt, eine BIOregional-Strategie zu entwickeln, um die ökologischen Ziele 2025/2030 für Ingolstadt zu erreichen. Darin soll dargestellt werden, welche (ersten) Schritte sinnvoll sind, wie eine mittelfristige Entwicklung aussieht, welche Akteure konkret vor Ort eingebunden werden müssen und wie Bürgerbeteiligung dazu aussehen kann.
  • Für 2020 sind konkrete Maßnahmen bereits vorzuschlagen. Diese sind zu beziffern, um sie für den Haushalt 2020 und die Wirtschaftspläne 2020 vorsehen zu können. Die Wirtschaftsförderung soll ausdrücklich aktiv einbezogen werden. Investitionsmöglichkeiten und Gründungshilfen sind zu überlegen, ebenso sollen beispielhafte Initiativen, wie solidarische Landwirtschaft, Feldpatenschaften u.a., vorgestellt werden.

Begründung

Die landwirtschaftlichen Betriebe und die Abnehmer*innen müssen bei der ökologischen Umstellung unterstützt werden. Landwirtschaftliche Betriebe brauchen eine Perspektive und vor allem: Verlässlichkeit. Darum muss es ein klares politisches Bekenntnis zu BIOregional geben. Verbraucher*innen brauchen alltagstaugliche und einfache Strukturen – auch digitale, um die Waren kaufen zu können.

Heimische Bioproduzenten scheitern, das sagen Fachleute¹, an vielen Stellen an fehlenden Strukturen in der Weiterverarbeitung und Vermarktung. Wir brauchen also gezielt die Stärkung der Bio-Wertschöpfungsketten vom Hof bis zur Verbraucher*in. Das hat sich auch vor Ort in Gesprächen – zuletzt zur Markthalle oder zum Schlachthof – immer wieder bestätigt.

Der Ökomarkt ist ein Zukunftsmarkt, der Nachhaltigkeitsziele und Klimaziele unterstützt, und er ist ein sehr stabiler wachsender Markt. Der Konsumtrend zu fairen und sauberen Lebensmitteln ist resilient. Als regionaler Wertschöpfungsmarkt muss er auch Thema einer aktiven nachhaltigen Wirtschaftsförderung sein.

Die größere Gewichtung der Ökolandwirtschaft muss sich auch auf institutioneller Ebene widerspiegeln¹. Dabei sollen sowohl die die Verbraucher*innen und ihre Interessensvereine als auch die wirtschaftlichen Akteure einbezogen sein: Erzeugergemeinschaften, Lebensmittelhandwerk, Verarbeiter, Naturkostfachhandel und Lebensmitteleinzelhandel … Ingolstadt hat dabei eine große Chance: Mit 173 landwirtschaftlichen Betrieben, bisher 16 davon ökologisch, können wir gezielt arbeiten und uns partnerschaftlich auf den Weg machen. Die städtischen Flächen könnten wir von den Pächtern ökologisch bewirtschaften lassen.

Die Ingolstädter Wirtschaftsförderung soll ausdrücklich aktiv und auch finanziell einbezogen werden, im BIOregional-Markt liegen große Potenziale, die in diesem Zusammenhang festgestellt werden sollten und gestärkt werden müssen. Die Zielvorgabe für die beantragte BIOregional-Strategie ist, sowohl sofortige Schritte als auch mittelfristige Maßnahmen zu benennen. In der Landwirtschaft gibt es zahlreiche kooperative Modelle wie solidarische Landwirtschaft, Feld- oder Tierpatenschaften, Crowd-Finanzierungen, Genussscheine uvam. Diese können alle zum 30-Prozent-plus-X-Ziel beitragen und unsere bäuerliche Landwirtschaft vor Ort stärken.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Kleine (Fraktionsvorsitzende), Barbara Leininger, Christian Höbusch, Dr. Christoph Lauer

¹ 30 % Ökolandbau in Bayern im Jahr 2030: Analysen und Empfehlungen aus Absatz- und Marktsicht. Eine Machbarkeitsstudie, erarbeitet für Bündnis 90/Die GRÜNEN im Landtag; 2019.

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